Bitcoin | Digitale Währung | Kryptowährung

Bitcoin, Litecoin, Xcoin, PPCoin und zahlreiche weitere Systeme sind gemeinhin unter dem Begriff „Digitale Währung“ oder Kryptowährung bekannt. Motiviert durch erhebliche Gewinnspannen beim Handel mit Bitcoins rücken diese digitalen Währungen (Kryptowährungen) immer weiter in den Vordergrund und in das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. 

Die Kryptowährung entstand als unabhängige Alternative zum herkömmlichen Bankensystem, dem nicht nur die japanischen Erfinder kein Vertrauen schenkten. Darum ist das Bitcoin System nicht von einer zentralen Stelle oder von Finanzinstituten kontrolliert und abhängig, sondern besteht aus einer unabhängigen und dezentralen, weltweiten Gemeinschaft von Nutzern. Lange Zeit galten Bitcoins als unseriöses Zahlungsmittel und waren vor allem für die Verwendung bei illegalen Waffen- und Drogengeschäften, zum Beispiel auf dem Online-Schwarzmarkt „Silk Road“, bekannt.

Viele sehen in der „Digitalwährung“ oder „e-Währung“ jedoch eine echte Alternative zu bestehenden Währungssystemen und die Vorstellung, die „Digitalwährung“ als echte Zahlungsalternative, vor allem im Onlinehandel, zu etablieren scheint in greifbarer Nähe. Mittlerweile akzeptieren nicht nur immer mehr Unternehmen, wie zum Beispiel das größte chinesische Internetportal Baidu, Bitcoins als Zahlungsmittel sondern auch die Amerikanischen Skeptiker äußeren sich zunehmend positiv.

Auch der Handel mit der Digitalwährung erscheint verlockend – konnte man Anfang 2013 noch 1 Bitcoin für ca. 100,00 € erwerben, so steht der Kurs im November 2013 bei ca. 750,00 €.

Was sind die Vor- und Nachteile von Bitcoin?

Bitcoin-Befürworter stützen sich vor allem auf Vorteile, wie geringe Transaktionsgebühren bei weltweiten Zahlungen, hohe Transfergeschwindigkeit und Anonymität. Zusätzlich soll sich der Transfer einfach und sicher darstellen, da jeder allein durch Eröffnung eines kostenlosen Kontos auf einem Bitcoin-Handelsplattform Bitcoins erwerben und mit ihnen bezahlen kann. Des Weiteren ist das System inflationssicher, da die Anzahl der möglichen erzeugten Bitcoins 21 Millionen nicht überschreiten kann. So könnten Bitcoins nicht nur andere Online-Zahlungssysteme, wie Paypal ablösen, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel mit einer hohen Sicherheitsfunktion, ähnlich wie Gold oder Silber, genutzt werden.

Das Bitcoin System wird aber auch kritisch betrachtet und noch als experimentelles System gesehen, was auch an den deutlichen Kursschwankungen in den letzten Jahren zu sehen ist. Nicht viele Geschäfte und Dienstleister akzeptieren derzeit das neue Zahlungsmittel. Zudem ist das zugrundeliegende Computersystem kompliziert und nicht für jeden allein zu bewältigen. Nicht zuletzt, weil manchmal immer noch Fehler in der Software auftreten und auch Viren die Sicherheit der Aufbewahrung und Transaktionen gefährden können. Ebenso die Tatsache, dass eine Bitcoin Transfer nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, verpflichtet zu Sorgfalt und Vorsicht bei den Geschäftspartnern.

Aktuelle wirtschaftliche Situation


Bedingt durch die Währungs- und Finanzkrise in Europa und die seit Jahren schwächelnden Aktienkurse rückten die alternativen Währungssysteme in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit. Mit dem Handel von Bitcoins waren bisher enorme Verdienstspannen möglich, nicht wenige Früheinsteiger konnten ihr vor ein oder zwei Jahren investiertes Kapital nahezu vertausendfachen. In letzter Zeit unterlagen Bitcoins extremen Kursschwankungen. Kurssteigerungen von bis zu 20% binnen weniger Stunden und ein ebenso hoher Abfall kurze Zeit später zeigen dies deutlich. Vor allem die kaum zu bremsende Euphorie in China treibt die Preise im Moment wieder in die Höhe. Auch die Tatsache, dass die Anzahl aufgrund technischer Berechnungseinschränkungen auf 21 Millionen Bitcoins beschränkt ist animiert die Käuferschaft.

Die zunehmende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit rückte die „Digitalwährung“ aber auch in den Fokus von Banken, die naturgemäß wenig Interesse daran haben, dass sich ein paralleles Währungssystem etabliert, noch dazu eines, das bis vor kurzem nicht den strengen Regelungen der Banken- und Finanzaufsicht (BaFin) unterlag. Mittlerweile ist jedoch klar, dass auch die Betreiber von Bitcoin-Börsen den Anforderungen und Kontrollen der BaFin standhalten müssen.

Technischer Hintergrund Bitcoin

Was ist ein Bitcoin in technischer Hinsicht?

Ein Bitcoin ist ein asymmetrischer kryptographischer Code (sogenannter Schlüssel), den man sich als mehrstelligen Zahlen- und Buchstabenkombination vorstellen kann. Dieser Code wird von einem Computersystem auf höchst aufwendige Weise generiert. Aufbewahrt werden die Bitcoins in einer Art digitalen Geldbörse. Diese Geldbörse befindet sich entweder auf seinem eigenen Computer oder bei einem Provider.

Wie werden Bitcoins erzeugt?

Bitcoins werden dezentral, d.h. von den verschiedenen Teilnehmern und Computernetzen, „geschöpft“. Um sich einen Bitcoin zu „verdienen“, muss auf dem Rechner ein Programm, ein sogenannter „Bitcoin-miner“,  installiert werden, das komplizierte Algorithmen ausführt und berechnet. Ziel ist ein sogenannter Hash-Wert. Wird die Berechnung vom Computer gelöst, erhält man dafür als Belohnung eine bestimmte Anzahl an Bitcoins. Diese sind nicht mit einem Sachwert hinterlegt. Zwar kann grundsätzlich jeder Bitcoins schaffen, da die benötigten Programme frei sind und auch der Quellcode frei verfügbar ist, aber da die dafür benötigte Rechenleistung derart hoch ist, lohnt es sich für einen Normalverbraucher nicht selbst Bitcoins zu generieren. Die Stromrechnung bzw. die Kosten für einen Computer mit einer entsprechenden Rechenleistung würden den Wert der erzeugten Bitcoins bei weitem übersteigen.

Wie werden Bitcoins transferiert?

Bezahlen und bezahlt werden kann jeder, der eine Online-Geldbörse installiert hat und sich eine Bitcoin-Adresse zugelegt hat. Über diese Börsen können Transaktionen stattfinden. Um sicher verifizieren zu können, dass eine Transaktion tatsächlich von einem Berechtigten und nur einmal stattfindet, werden sogenannte „Proof-of-Work“-Ketten hinzugefügt (Arbeitsbeweisprinzip). Das Netzwerk gibt den Transaktionen Zeitbezug, indem es sie in eine fortlaufende „Proof-of-Work“-Kette einreiht. Dadurch wird eine Aufzeichnung geschaffen, die nur durch eine Änderung der „Proof-of-Work“ verändert werden kann. Das verhindert eine Mehrfachnutzung. Bei einem Bitcoin-Transfer wird des Weiteren eine elektronische Signatur hinzugefügt, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten. Nach einer Bestätigung wird die Transaktion permanent und anonym im gesamten Netzwerk gespeichert.

Rechtliche Beurteilung und Einstufung von Bitcoins

Das Bundesfinanzministerium hat am 07.08.2013 in einer offiziellen Stellungnahme Bitcoins als sog. „Rechnungseinheiten“ eingestuft und somit als privates Geld anerkannt. Diese Einordnung wurde zuvor schon in gleicher Weise von der BAFIN vorgenommen und begegnet folgendem rechtlichen Hintergrund:

Bitcoins = Währung?
Bitcoins können keine echte Währung als Devisen sein, da Bitcoins keine Realwährung sind, von keiner Notenbank ausgegeben werden und keiner staatlichen Deckung unterfallen.

Bitcoins = E-Geld?
Auch eine Einordnung als E-Geld kommt nicht in Betracht.

E-Geld als jeder elektronisch oder magnetisch gespeicherte monetäre Wert in Form einer Forderung gegenüber dem In-Verkehr-Bringer, der gegen Zahlung eines Geldbetrages ausgestellt wird, um damit Zahlungsvorgänge des § 675 f Abs. 3 Satz 1 BGB durchzuführen, und der auch von anderen natürlichen oder juristischen Personen als dem Emittenten angenommen wird, definiert.

Bei Bitcoins fehlt es aber jedenfalls an den Tatbestandsmerkmalen:
 
- „elektronisch gespeicherter monetärer Wert“ und
- „der Forderung gegenüber dem Emittenten“

Die Einstufung als E-Geld scheitert also daran, dass die Bitcoins dezentral von Privatpersonen erzeugt werden und eine Einlösung beim jeweiligen In-Verkehr-Bringer, welcher die Bitcoins erzeugt hat nicht möglich ist. Ein einfacher Rücktausch dieser generierten Bitcoins bei den jeweiligen dezentralen Erstellern ist in Realwährung nicht möglich.

Als ein Beispiel für E-Geld ist die Geldkarte zu nennen, bei der ein im Voraus einbezahlter Geldbetrag auf dem Chip der Karte gespeichert wird.

Bitcoins = Rechnungseinheiten!

Das Merkmal der Rechnungseinheiten ist, dass sie keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind, in der Behandlung aber Devisen gleichgestellt sind.

Die deutsche BAFIN sieht Privatwährungen als Rechnungseinheiten im Sinne des § 1 Abs. 11 KWG und damit als Finanzinstrumente an. Zudem sieht die BAFIN in sämtlichen bisherigen Einschätzungen Bitoins als eine solche Privatwährung an.

Auswirkungen dieser Einstufung

Die spannende Frage ist aber nun, welche konkreten Auswirkungen die nun eindeutig erfolgte rechtliche Einordnung von Bitcoins hat?

Auswirkungen für Privatpersonen
Privatpersonen, die den Handel mit Bitcoins betreiben, um Kursgewinne bei steigenden Bitcoin-Kursen erzielen zu können, haben diese Gewinne regelmäßig zu versteuern.
Steuerrechtlich wird beim Tausch von Euros in Bitcoins das Wirtschaftsgut „Bitcoin“ angeschafft. Beim Rücktausch liegt ein sog. privates Veräußerungsgeschäft i.S. von § 23 I 1 Nr. 2 EStG vor.

Auswirkungen für Unternehmen, die Bitcoins als Ware oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit Bitcoins anbieten
Betreiber von sog. Bitcoin-Börsen oder Unternehmen, die Dienstleistungen im Zusammenhang mit Bitcoins anbieten, müssen zukünftig beachten, dass im Regelfall ein Finanzdienstleistungsgeschäft im Sinne des § 1 Abs. 1 a Satz 2 KWG vorliegt.

Diese Finanzdienstleistungsgeschäfte sind erlaubnispflichtig. Dies bedeutet, dass Geschäftsmodelle die mit Bitcoins in Verbindung stehen, größtenteils einer vorherigen Erlaubnis der BAFIN bedürfen.

Die Erteilung einer solchen Erlaubnis unterliegt enorm hohen Hürden und strengen Voraussetzungen, wie z.B. Einlagen von in einzelnen Fällen über 730.000 EUR.  

FAZIT:
Bitcoins und alle anderen Arten der digitalen Währung sind ein verlockendes und interessantes Geschäftsfeld, dessen nähere Betrachtung sich durchaus lohnt. Rechtlich gesehen handelt es sich um ein relativ neues Phänomen, das in der Rechtsprechung noch nicht thematisiert wurde. Dies wird sich in den nächsten Jahren sicherlich ändern, was auch ein großes Stück mehr an Rechtssicherheit bei allen Geschäften mit Bitcoins bringen wird.